von Jones vor 2 Jahren am 22.09.2016

Poliermaschinen Wartung

Kohlebürsten, Getriebefett, Kabelbruch, ...

Hallo ihr Poliermaschinen-Quäler,
auch das Arbeitszeug will zwischendurch gepflegt und gewartet werden, exzessives & leidenschaftliches Detailing macht sich nicht nur bei einem selbst bemerkbar.

Meine geliebte Flex 14-2 150 hat schon fleißig Betriebsstunden gesammelt, jedoch unterliegt auch gutes Werkzeug einem gewissen Verschleiß. Vor kurzem kam es zu einem Kabelbruch, die Maschine setzte zeitweise aus sobald man das Kabel bewegte. Klarer Fall, ist jedoch fix, einfach und ohne zu bestellende Teile zu beheben.
Beim Zerlegen von Maschinen sollte stets ein prüfender Blick auf die weiteren Bauteile geworfen werden, bei der Flex fielen mir die kurzen Kohlebürsten auf. Jene zwei Kohlen schleifen auf dem Kupfer-Kommutator der rotierenden Ankerwelle und versorgen sie mit Strom - Schleifkontakte eben. Wer mehr über die Funktionsweise eines Elektromotors erfahren mag bemühe einfach die üblichen Infoquellen wie Wikipedia, YouTube, google & Co.

Nachfolgend findet ihr hoffentlich hilfreiches zur Flex 14er Serie, DAS6 Exzenter wie die Lupus 6100, Dodo Buff Daddy usw. und zur Makita 9227 CB.

Anmerkung: Bei allen Arbeiten an der Maschine stets den Netzstecker ziehen! Kribbelt weniger und das Licht bleibt an ;)
Es kann die möglicherweise noch existierende Garantie erlöschen falls ihr selbst an der Maschine werkelt, wir haften nicht für den Mist den ihr verzapft :P und geben auch keine Garantie auf Richtigkeit der nachfolgenden Hilfestellung. ;)

Flex 14-2 150

Um die Gehäuseverkleidung der Flex zu entfernen sind lediglich ein *Schitzschraubendreher und ein **15ner Torx nötig.

Pinsel und Blasebalg zur Reinigung, Zange um Aderendhülsen zu quetschen, Schraubendreher, Pinzette für den Spannfeder der Kohlebürsten. Oben im Bild die zwei alten Kohlebürsten. Es fehlen Seitenschneider und Abisolierzange um den Bruch im Kabel zu beheben.

Griffhaube:

Kunststoffschrauben raus ...

... und die 15ner Torxschrauben.

Nun könnt ihr die beiden Hälften auseinander ziehen.

Staub und anderer Unrat lässt sich mit einem Pinsel entfernen.

Oder auch einem Blasebalg (Fotoausrüstung), wer hat greift zur Druckluftpistole.

Winkelgetriebe

4 Schrauben lösen um einen Blick ins Winkelgetriebe am Kopf der Maschine zu schauen.

Schlitzschraubendreher in eine der Kerben stecken und leicht drehen bis ihr das Teil nach oben herausziehen könnt.

Voll Fett Alter. Genug drin vom Fließfett, es sollten etwa 15 Gramm sein.

Da das Fließfett an allen wichtigen Stellen (Zahnräder) noch ausreichend vorhanden ist beließ ich es drin.
Wer mag kann das Fett auch erneuen, dazu grob auswischen und mit beispielsweise Bremsenreiniger den Rest ausspülen, neues passendes Getriebefett rein, fertig. Die Farbe des Fettes ist schnuppe, ob leicht transparent / bernsteinfarben oder grau wie Achsmanschettenfett ...
Beim Zusammenbau bitte auf den Federring achten, er muss oben am Kugellager bleiben - zwischen den Getriebezähnen sorgt er für unangenehme Zahnschmerzen, die keine Krankenversicherung übernimmt. Bitte ebenso auf den Gummi-Dichtring achten, zerquetscht erfüllt seinen Zweck nicht unbedingt. Schrauben wieder fest anziehen, fertig.

Die Flex hat noch ein Planetengetriebe verbaut (siehe Explosionszeichnung), unterhalb des Druckknopfes der Spindelarretierung. Dieses Getriebe verleiht der Maschine ihr hohes Drehmoment, durch Reduzierung der Drehzahl des Elektromotors auf das Winkelgetriebe. Der E-Motor dreht leichter und konstanter mit höherer Drehzahl, die M14-Spindel bietet mehr Kraft um auch große Pads drehen zu lassen. Desweiteren kann der Motor kompakter bebaut werden, die noch folgende dicke Makita 9227 CB kommt ohne zusätzliches Planetengetriebe aus, ist hingegen sehr wuchtig.

Das Griffhaubenpaar besitzt Nut & Feder, einfach locker zusammenstecken.

Noch die seitlichen Kunststoffschrauben rein, wie auch die T15-Schraube.

Handgriff:

3x 15ner Torx.

Nach oben abziehen.

Kabelbruch:

Gewöhnlich verschleißt das Kabel nahe der Maschine am ehesten, Aussetzer oder kompletter Ausfall sind typische Fehler.
Bei mir hatte sich vor Monaten der schwarze Kabelschutz verabschiedet, er riss am Überganz zur Maschine ab und so litt das Kabel mehr. Also direkt nen neuen mitbestellt.

Schraube der silbernen Schelle (Zugentlastung) entfernen und mit einem feinen Kreuzschraubendreher die beiden Klemmschrauben am Gasgebeschalter etwas lösen um die blaue und braune Ader des Kabels zu entfernen.

Bei einem Kabelbruch das gesamte Kabel um etwa 10cm einkürze und abisolieren (möglichst nicht anritzen, ich weiss). Zur Vorlage einfach den Abschnitt nutzen. Möglicherweise reichen 10cm nicht aus, sollte der "Wackelkontakt" noch bestehen - ihr werdet es dann feststellen.

Wer hat sollte Aderendhülsen aufquetschen oder mit etwas Lötzinn die blanken Litzen (die feinen Kupferdrähte) zu einem soliden Stück verlöten.

Kabel wieder in die Aussparungen stecken und die zwei Schrauben andrehen. Kabel und Zugentlastung montieren und das Gehäuse wieder schließen. Außer man möchte / sollte noch die ...

Kohlebürsten erneuern

Die beiden Kohlen sind im schwarzen Gehäuseteil verbaut, ein Kohlehalter oben am Einstellrad, der andere gegenüber / unten.

Links die Spannfeder, der (messingfarbene) Kohlehalter samt Kohle, rechts das Kupferkabel samt Stecker.

Wie man sieht ists Kabel unten am Ende der Aussparung angelangt. Das ist zwar kein Fehler, aber ein Zeichen für bald verschlissene Kohlebürsten. Sind die Kohlen zu kurz, baut die Feder nicht mehr den nötigen Druck auf um die Kohlen auf den Kommutator (graue unterbrochene Flächen vor dem orangen Kupfer) schleifen zu lassen.
Ein Ende der Kohlebürsten kündigt sich durch Leistungsverlust und eine gewisse "Anfahrschwäche" an. Beim Betätigen des Gasgebeschalters brummte meine Flex leicht knurrig bevor sie sich in Bewegung setzte. Desweiteren ist auch ein erhöhter Funkenflug ein Indiz.
Sollte eure Flex auch nicht mehr so elegant Anlaufen / ihr Drehmoment behalten wie einst, einfach die drei 15er Torx-Schrauben lösen und nachsehen.

Zum erneuern der Kohlen löst ihr anfangs den Stecker, welcher recht fest sitzt. Üblicherweise zieht man nie am Kabel, entweder zieht ihr mit einer Spitzzange am Stecker oder nutzt den Schlitzschraubendreher. Bei letzterer Methode wird der Stecker durch drehen oder hebeln einfach von der Lasche geschoben.

Kabel daneben legen / abstehen lassen.

Mit Spitzzange oder (Zecken-)Pinzette (ich nutze diese gern zum Entgittern von Klebefolien) den Draht der Feder anheben und beiseite halten. Nun könnt ihr die Kohle herausziehen, die neue einsetzen und die Feder wieder auflegen.

Nun den Stecker auf die Lasche schieben, geht mit dem Schraubendreher einfacher.
Da mir der 3. Arm zum fotografieren fehlt weichen die Fotos etwas vom Text ab.

Neue Kohle eingeschoben, Feder liegt auf und der Stecker sitzt. Oben fertig, folgt noch ...

Unten - gleiches Spiel. Stecker ab, Feder hoch, Kohle tauschen, Feder auflegen, Stecker aufschieben.
Man sieht sehr gut in welcher Höhe sich das Kupferkabel der jungfräulichen Kohle nun befindet. An der Unterseite erblickt man den Kupfer-Kommutator, dieser sollte keine starken Riefen aufweisen, wer mag kann ihn mit einem Wattestäbchen etwas vom Kohleabrieb säubern um dies besser beurteilen zu können.

Hier mal der Vergleich der Laufflächen, links die noch neue Kohle mit Kerben (um schneller plan aufzuliegen) und rechts die leicht noch innen gewölbte, glatte Kohle.

Neu und alt.

Wie bekommt man nun raus welche Bauteile richtig sind und woher beziehen?

Explosionszeichnungen, oder auch Stücklisten. Hier mal nen Screenshot der Firma Hans Sauer GmbH (www.wzservice.de).
Auf der Maschine befindet sich eine Typenbezeichnung, diese gebt ihr ins Suchfeld ein und ruft anschließend die Zeichnung auf. Anhand der Einbaulage findet man die benötigten Teile sehr fix, klickt man drauf wird einem ein Dialogfeld geöffnet. 2 Kohlen in den Warenkorb legen, fertig.
Natürlich kann man die beiden Kohlen und alles andere auch bei FLEX Tools direkt oder anderen Händlern erwerben, dies soll nur als Beispiel dienen.

Zusammensetzen des Handgriffs:

Der Gasgebeschalter hat seinen festen Platz, diesen entsprechend einsetzen ...

Untere Griffstückschale unterlegen ...

Und nun auf die Aderführung achten, sie dürfen weder Schraublöcher noch den den Steg hinten (schwarze Ader) überkreuzen. Den weissen Kondensatorblock passend legen.

So passts.

Zugentlastung (silbernes Metallteil) montieren. Eigentlich soll das vordere Ende unter den unten eingesteckt sein, ich lasse es jedoch oben drauf liegen da bereits jetzt schon genug Druck auf dem rutschhemmenden PUR-Kabel ist.

Die 3 Schrauben rein und handfest anziehen, Kunststoff ist weich - nach fest kommt dull.

Funktionstest erfolgreich bestanden, fertsch.

Dodo Juice Buff Daddy (DAS 6) und vergleichbare ...

Bei diesen Exzenter-Poliermaschinen liegen oftmals Ersatzkohlen bei, die verschlissenen zu ersetzen ist noch einfach als bei der Flex ...
Leider brechen die Kabel bei diesen Maschinen recht häufig, was glücklicherweise auch schnell behoben ist.

Stecker ziehen, die hintere Schraube lösen (Kreuzschlitz).

Das Gehäuse nach hinten abziehen.

Ist das Kabel gebrochen und die Maschine somit ohne Funktion oder setzt zeitweise aus, einfach die beiden Schrauben lösen, ebenso die Zugentlastung. Das Kabel um etwa 10cm einkürzen, nach Vorlage abisolieren und neue Kabelschuhe aufkrimpen (lassen). Alles fest verschrauben und zusammenbauen.

Sind die Kohlebürsten (rot markiert) verschlissen, wie zuvor bei der Flex gezeigt vorgehen.

Stecker abschieben ...

Feder von der Kohle nehmen ...

Kohle herausziehen und neue einschieben. Feder auflegen, Stecker aufschieben, zusammenbauen - fertig.
So schauen die DAS-6 Kohlebürsten aus.

Makita 9227CB - Die dicke Berta

Kohlebürsten sind bei diesem "Urgestein" mehr als einfach zu wechseln.
Einfach die runden schwarzen Kunststoffkappen im blauen Gehäuseteil mit einem Schlitzschraubendreher oder einer Münze öffnen, Kohlebürsten entnehmen fertig. Links oben in der Ecke liegen sie.

Werfen wir nen Blick ins Winkelgetriebe, die 4 Kreuzschrauben heraus drehen, ...

... ausreichend Fett drin - dürfte für meinen Geschmack jedoch dünner / fließfähiger sein.

Das Griffstück wird durch 4 Kreuzschrauben zusammengehalten, entfernt man diese kann man die Griffschalen entfernen und sich um beispielsweise einen Kabelbruch kümmern oder Staub beseitigen.

Bei nem Kabelbruch einfach die Zugentlastung lösen, wie auch die beiden Klemmschrauben am Gasgebeschalter. Kabel einkürzen, abisolieren, Aderendhülsen aufquetschen oder Litzen verlöten und wieder zusammenbauen.

Ich wollte in diesem Fall das Teil mal weiter zerlegt haben, aus Intresse.
Also den Sicherungsscheibe am Magnetring (letzterer dient der Drehzahlerfassung) entfernen.

Nun den Getriebekopf vom Gehäuserumpf abschrauben ...

Und auseinanderziehen, geht nur wenn der Sicherungsscheibe am Magnetring zuvor entfernt wurden ;)

Nun kann man die Berta richtig entstauben.

Oder auch den Kommutator mit einem Schleifvlies / der bösen Seite eines Küchenschwamms reinigen.
Bis einen blankes Kupfer anlacht. Alles zusammen bauen, erst dann die Kohlebürsten wieder einsetzen. Fertig, die Maschine sollte nun wieder laufen wie am ersten Tag.

Ich hoffe diese Hilfestellung nützt dem einen oder anderen, bei Fragen oder Probemen einfach melden.
Mögen uns die Maschinen weiterhin ihren treuen Dienst erweisen!

Glänzende Grüße aus dem schönen Münsterland,
Jones, alias Johannes

  • Jones

    Die erste Poliermaschine hielt Johannes (Münster) im Jahr 2007 in seinen Händen, die enthusiastische Autopflege ist Hobby und unverzichtbarer Teil sein Lebens geworden. In jungen Jahren wurde Samstags Bundesliga im Radio gehört und nebenbei der 123er Mercedes „gewaschen". Die Liebe zur perfekten Oberfläche begann mit einer Tischler-Lehre, während seiner späteren Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker fand er eine kleine Metabo-Poliermaschine im Lager und ab da war es um ihn geschehen, kaum etwas vor ihm sicher. Vieles selbst erlernt, reichlich Erfahrungen gesammelt, stets Arbeiten & Abläufe verbessert. Vertieft wurde das Ganze durch Internet und dort angetroffenen „Lackfetischisten“, hier entwickelten sich auch Freundschaften und gemeinsame Projekte - das Ergebnis ist dieser Blog.

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